Italien – Tag 107

Pitigliano – Saturnia – Pitigliano (80km)

Kleine aber feine Orte in der Toskana, so könnte man die Tour von heute beschreiben.

Pitigliano, ist auf einen ca. 300m hoch gelegenen Tuffsteinfelsen gebaut und ist umgeben von tiefen Schluchten.

Die anschliessende Fahrt führte uns nach Sorano. Genau wie Pitigliano auf Tuffsteinfelsen gebaut und von Schluchten umgeben.

Letzte Station des Tages waren die warmen Quellen von Saturnia. Die Therme Saturnia ist eine der ältesten Thermen der Toskana und geht auf die Römerzeit zurück. Der Schwefelgeruch in der Luft deutete die Thermalquellen schon einige hundert Meter vorher an.

Selbstredend haben auch wir ein Bad genommen und sind recht schwefelhaltig wieder ins Agriturismo zurückgekehrt 😷😷😷.

Auf dem Rückweg noch an Manciano vorbeigerauscht


Italien – Tag 106

Bologna – Pitigliano (302km)

Südwärts Richtung Rom…in etwa so kann man die heutige Etappe kurz beschreiben. Die Stadt Rom ist Ziel unseres Familienausfluges, welcher am Samstag beginnt. Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit…Doch zuvor müssen wir noch einige Kilometer hinter uns bringen.

Heute durchquerten wir die Toskana von Norden nach Süden. Leider blieb nicht genügend Zeit um die typischen Toskana-Bilder aufzunehmen. Dies wird auf dem Rückweg erledigt. Trotz allem gab es ein paar Bilder.

Unser Agriturismo-Wahl war wieder ein Volltreffer. Herzlicher, fast familiärer Empfang, ein grosszügiges Zimmer und ein Pool, welcher wirklich Abkühlung verschaffte…brrrrrrr

Das Essen und der Wein alles vom Bauernhof…einfach ein Gedicht…mehr geht einfach nicht.


Italien – Tag 104

Bologna City (0km)

Der heutige Tag war ein perfekter Touristentag mit einem jämmerlichen Ende für mich…aber der Reihe nach.

Vom Hotel gings mit dem Bus in rund 20 Minuten in das Stadtzentrum. Unsere erste Aktivität, war ein geführter Stadtrundgang. Wieder einmal bestätigte sich, dass die Art von Stadtbesichtigung sehr informativ und interessant ist.

Nach guten 2 Stunden war die Führung beendet und wir erkundeten die Strassen und Viertel auf eigene Faust.

Auffallend waren 2 Türme im Stadtzentrum. Der eine etwas höher, der andere dafür schiefer. Im 12. und 13. Jahrhundert baute jede wohlhabende Familie zu ihrer Residenz einen Turm. Dieser diente zur Verteidigung des Hab und Gutes. Genau wie heute, ging es auch damals ums Prestige. Je höher der Turm desto wohlhabender die Familie. Doch Augen auf beim Baugrund. Der kleinere und schiefe Turm war genau so hoch wie der andere, aber ein Absacken des Fundamentes brachte ihn in Schieflage und der obere Teil brach weg.

Man nimmt an, dass in dieser Zeit über hundert Türme in der Stadt errichtet wurden. Heute sind noch etwa 20 dieser Relikte erhalten.

Eine weitere Eigenheit von Bologna sind die Arkaden. Diese haben eine Gesamtlänge von etwa 40km. Die Wohnungsnot führte dazu, dass die Häuser ab dem ersten Stockwerk verbreitert wurden. Später erkannte man die Vorteile von Arkaden im Sommer und bei Regen. Kurzerhand wurde bei jedem Neubau eine Arkade Pflicht. Diese mussten eine Höhe von mindestens 2.60m haben, damit ein Pferd mit Reiter durchlaufen konnte.

Ein weiteres Highlight war das Teatro Anatomico, welches 1637 errichtet wurde und in der Mitte einen Seziertisch aufweist. Den Studenten sollte so die Grundlage der Anatomie in Schauobduktionen näher gebracht werden. Das Studium war vorallem reichen Familien vorenthalten. Damit man auch sehen konnte wer wohlhabend war, wurden die Familienwappen im Gebäude angebracht.

Das Nachtessen bestand aus handgemachter Pasta in einem der unzähligen Restaurants im Stadtzentrum.

Für den Retourweg nahmen wir wieder den Bus, welcher ziemlich voll war…und da passierte das Unfassbare. Ein jüngerer Herr stand auf und offerierte mir den Platz. Der Tiefpunkt in meinem Leben😖😖 GRMPFL

Italien – Tag 105

Bologna City (0km)

Erster Sightseeing Punkt war die Kirche Santuario della Madonna di San Luca, welche sich etwas ausserhalb von Bologna auf einem Hügel befindet. Speziell ist, dass von der Stadt ein durchgehender Arkadengang bis zur Kirche errichtet wurde, welcher fast 4km lang ist.

Ich bin ja kein Heiliger, jedoch faszinieren mich die mondänen Kirchen mit ihrer Grösse, Kunst und Prunk.

Eine ganz kuriose Geschichte steckt hinter der Kirche San Petronio. Der Bau der Kirche wurde 1390 in Auftrag gegeben. 1514 wollte man sie mit zweit Seitenschiffen erweitern, so dass sie grösser geworden wäre als der alte Petersdom in Rom. Dies missfiel aber dem Papst und er befahl, die Gebäude links und rechts der Kirche zu erweitern, so dass für den Weiterbau der Kirche keinen Platz mehr zur Verfügung stand. So viel zum Motto „tue Gutes und spreche darüber“. Geldmangel führte dazu, dass die Kirche bis heute noch nicht fertig ist und aus obgenannten Gründen auch nie wird. Heute sind noch die Spuren des angefangenen Baus zu erkennen.

Ebenfalls erwähnenswert ist das dichte Netz von Wasserkanälen und Schleusen, welche im Mittelalter Seidenwebereien und Mühlen bedienten und als Handelswege dienten. Heute sind die Kanäle zugemauert und überbaut. Nur noch drei Kanäle sind aktuell sichtbar.

In der Stadt gibt es auch ein Hotel für 2 Personen. Dies befindet sich in einem Turm…Privatsphäre 100% gesichert.

Ebenfalls in Bologna zu sehen, die älteste Buchhandlung in Familienbesitz. Seit 198 Jahren werden an diesem Ort Bücher verkauft.

Am Ende des Tages wollten wir es noch einmal wissen. Wir besteigen den Torre Asinelli. Nach 498 Treppenstufen…Keuch 🥵🥵🥵 genossen wir die Aussicht auf die Stadt.

Nachfolgend noch einige Eindrücke von der Stadt.

Italien – Tag 103

Milano – Bologna (254km)

Gut ausgeruht und fit nahmen wir die heutige Etappe durch die Poebene unter die Räder. Da wir schon einige Male durch diese Gegend gefahren sind, wussten wir, dass es nicht sehr viel zum Sehen gibt. Auch fahrerisch gab es keine Höhepunkte…alles mehr oder weniger geradeaus.

Die einzigen Aufreger waren die Fahrten aus Mailand heraus und ins Zentrum von Bologna. In beiden Fällen musste der Zen-Fahrstil angewendet werden 😖.


Italien – Tag 102

Milano (0km)

Der heutige Tag stand ganz und gar unter dem Motto „Sightseeing“. Mit dem Bus ging es ins Zentrum. Für eine schnelle Übersicht der Stadt benuzten wir den Hop on Hop off Bus.

Drei Stationen waren wir beim Dom, den wir uns zuerst anschauen wollten. Geduld beim Ticketkauf war angesagt, da offenbar nicht alle Touristen in Monza am Formel 1 Rennen waren.

Wie schon öfters auf unserer Reise, staunten wir über die Baukünste vor dreihundert und mehr Jahren. Ich bin überzeugt, dass solche Bauten heute nicht mehr erstellt werden könnten.

Nach diesen monumentalen Eindrücken mussten wir erst einmal etwas trinken…natürlich mit Sicht auf den Dom. Wie schon hundert mal, bestellten wir ein Aqua Tonica und ein Birra grande…kurz gesagt, auch hier wurden die Grenzen verschoben, bei der Menge und dem Preis…Birra grande = 1Liter für läppische 22 Euro. Hiermit wurden sogar die St. Paulipreise überboten.

Im Verlauf des Nachmittages fuhren wir kreuz und quer durch die Stadt und sahen historische wie auch ultramoderne Bauten.

Bosco Verticale…Senkrechter Wald, so werden die begrünten Zwillingstürme genannt, die 110m und 80m hoch sind. Etwa 900 Bäume und 2000 andere Pflanzen wurden in den Terassen, Balkonen und Fassade gepflanzt. Dies würde einer Waldfläche von 7000 m2 entsprechen.

…und neben dem Formel 1 Rennen fand auch noch ein Fussballspiel zwischen Inter Mailand und Fiorentina im San Siro Stadion statt…

Italien – Tag 101

Wohlen – Milano (373km)

Heute war es also soweit…die grosse Hitze ist Geschichte und wir schwangen uns wieder auf das Motorrad um unsere Italienreise weiter zu führen.

In der Zwischenzeit haben wir Haus und Garten genossen, sowie viele bekannte Gesichter wieder gesehen. Ebenfalls wurde das Motorrad gewartet, so dass wir die nächsten zwei Monate ohne Bedenken geniessen können.

Tagwache war um 06.15…etwas früher als die letzten Tage…ja, ja die Unruhe lässt uns auch im gesetzteren Alter nicht im Stich.

Nachdem wir gestern schon alles vorbereitet hatten, hiess es heute nur noch Koffer schliessen und Gepäck auf dem Motorrad befestigen. Unglaublich aber wahr, es geht noch mit weniger Gepäck. Diesmal war kein Tetris nötig um alles in den Koffern zu verstauen.

Kurz nach acht Uhr fuhren wir los. Die Reise führte uns via Brünig, Grimsel, Simplon nach Mailand.

Brünig und Grimsel waren etwas zäh zum fahren, da offenbar ein Fahrrad-Event stattfand. Hunderte quälten sich die Pässe hoch…Ich schaute jedem ins Gesicht, aber keiner, wirklich keiner machte einen glücklichen Eindruck…

Nach dem Simplonpass wurde die Strecke etwas weniger anspruchsvoll, dafür nahm der Verkehr zu. Es dauerte aber fast 50km, bis ich den italienischen Fahrstil wieder verinnerlicht hatte.

Kurzer Spaziergang mit Apero in der Hotelumgebung, dann ein feines Nachtessen.

Gewöhnungsbedüftig, um 20 Uhr ist es schon dunkel…


Italien – Tag 100

Isola – Wohlen (245km)

Blauer Himmel am Morgen über Isola und kein Regen wie angkündigt. Kurz überlegten wir uns noch via Disentis, Oberalp nach Hause zu fahren, da die Autobahnfahrt nicht so unser Ding ist…Schlussendlich entschlossen wir uns für die Heimfahrt auf Hauptstrassen über Chur und dan am Walensee entlang.

Die Fahrt über den Splügenpass führte uns vorbei am Albergo Posta, Sufnersee, der Via Mala…schöne Erinnerungen an die Wanderung. Aus diesem Grund machten wir die erste Pause auch bei der Bäckerei Gyger in Thusis, dem Startpunkt der Via Spluga. Wie alles in dieser Bäckerei kam auch die heisse Schokolade ganz speziell daher…

In Chur dann der erste Regenguss…kurz und heftig. Wir sind diese Strecke schon ein paarmal gefahren, aber noch nie neben der Autobahn. Es hat auch seinen Reiz, wenn man einfach die Zeit hat und nicht auf dem direkten Weg fahren muss.

Vor Walenstadt wurde es dann aber eher garstig…heftiger Regen machte sich breit…auch wenn man Zeit hat, fahren im Regen macht keine Freude. Somit wurde der direkte Weg, sprich Autobahn, gewählt.

Gegen 15 Uhr standen wir da, wo wir vor hundert Tagen losgefahren sind.

Dank meiner Schwester Elisabeth, mussten wir auch nicht auf ein Znacht verzichten…es hätte nicht schweizerischer sein können…Merci viel mol.

Wir freuen uns auf die nächsten Tage, welche der Reisevorbereitung und der Umgebungspflege gewidmet sind.

Am 01. September werden wir den 2. Teil unserer Italien-Reise in Angriff nehmen. 👋👍

Italien – Tag 99

Verona – Chiavenna (207km)

Nach einer kurzen Nacht ging es zeitig los. Grund dafür war der Markt in Chiavenna, der um 13 Uhr schliesst. Dort hatten wir im letzten Jahr nach der Splügenwanderung italienische Spezialitäten eingekauft. Weil die alle so schmackhaft waren und wir den Splügenpass nun mit anderen Augen sehen, lag es auf der Hand hier noch einmal einen Halt zu machen, bevor es definitiv nach Hause geht.

Der Marktfahrer hat wohl den Tagesumsatz schon mit uns erreicht, anders kann ich es mir nicht erklären, dass er noch eine Salami als Geschenk mitgab. Somit wurden auch die allerletzten Gepäcklücken aufgefüllt.

99 Tage unterwegs, es kommt mir vor, als wären wir erst gestern losgefahren. 13’000km ohne Unfall, Defekte, Komplikationen, dafür mit vielen Begegnungen, schönen Orten und Eindrücken, welche wir wohl erst nach und nach verarbeiten werden.

Anfang September packen wir wieder und fahren den 2. Teil unserer Reise. Bis dahin überlassen wir das Feld den Urlaubern und Italienern…


Italien – Tag 98

Verona (0km)

Nachdem wir den gestrigen Nachmittag noch am Po ol verbracht hatten, stand heute mit der Stadt Verona das volle Kulturprogramm im Fokus.

Vom Taxistand aus war die Arena von Verona schon sichtbar. Beindruckendes Gemäuer von aussen…leider ist alles überstellt von Requisiten für die verschiedenen Opern, denn die Festspiele finden zur Zeit zum hundertsten mal statt. Unglaublich mit wieviel Aufwand jeden Tag umgebaut wird. Mit einem mobilen Kran werden die einzelnen Teile über das Gebäude in die Arena gehievt.

Anschliessend reihten wir uns ein in die Prozession entlang der Ladenstrassen…Gucci, Dolce-Gabbana, Rolex…alle lockten mit „Saldi“ und trotzdem reichte es noch nicht zum einkaufen.

Was zu Verona gehört wie die Luft zum atmen ist der Balkon von Julia, aus dem Roman Romeo und Julia…klar das wir den auch sehen wollten…mit tausend anderen zusammen…schön brav in der Reihe anstehen und im Gänsemarsch am Balkon vorbei…

Nach soviel Herzschmerz musste etwas gefuttert werden…in dieser Stadt hat man die Qual der Wahl…selten habe ich so viele Restaurants an einem Ort gesehen und alle voll mit Touristen. Die Erwartungen waren dementsprechend eher gering, was den Service und die Speisen betraf. Doch wir wurden völlig überrascht…Perfekter Service und excellentes Essen…diese Kombination hatten wir bis jetzt nur einmal erlebt.

Zum Kulturprogramm gehörte natürlich der Besuch der Oper „Nabucco“. Zugegeben nicht gerade meine Stilrichtung, aber wenn schon Verona, dann richtig.

Der Gefangenenchor war der Höhepunkt der Oper…es wurde so lange applaudiert bis das Orchester und der Chor das Stück noch einmal wiederholten…Beeindruckend, alles ohne Mikrofon und Lautsprecher!!! https://youtu.be/nFsljT1362s.

Die Oper begann um 21.15 Uhr und nach jedem Akt wurde 20 Minuten umgebaut…Ende der Vorstellung weit über Mitternacht. Ein Erlebnis, welches Spuren hinterlässt.