Nachdem wir den Süden Apuliens gesehen haben, führte uns die heutige Etappe nordwärts, vorbei an Brindisi und Bari, bis nach Biscelglie.
Von der Fahrt her gesehen, war es eine langweilige Sache…flach und alles geradeaus. Die Strecke führte entlang der Küste durch Reben- und Olivenplantagen.
Monopoli eine kleine hübsche Stadt war unser erstes Ziel…
Pogliano a Mare mit weiss gekalkten Häusern welche direkt an den Klippenrand gebaut sind, war unser zweiter Stopp. Ein vom Verkehr befreites Zentrum mit Souvenierläden und Restuarants. Erstaunlich wie viele Personen schon frei oder Ferien haben…
Nach dem italienisch-süssen Frühstück, erkundeten wir die Altstadt noch einmal zu Fuss. Lecce wird nicht umsonst das als das Florenz des Südens bezeichnet. Die Gebäude der Stadt sind aus hellbeigem Tuffstein gebaut. Dieser lässt sich leicht formen und das ist an den meisten Bauwerken markant sichtbar.
Teilweise freigelegtes Amphitheater für 15’000 Besucher..Teatro Romano
Man kennt ja die Ramschläden in einem Touristenort. Doch es gibt auch kreative Ausnahmen. So haben wir zugesehen, wie aus einer Aludose ein Fahrrad und aus alten Schallplatten kuriose Gegenstände entstanden.
Die Mittagsruhe wurde genutzt um die weitere Reiseplanung voranzutreiben.
Abends wieder das ewige Ritual…Schweizer mit Hunger möchten essen, aber italienische Beizer öffnen erst gegen 20 Uhr. Das Warten wurde jedoch durch eine Hochzeit verkürzt. Schlussendlich findet sich immer eine Lösung…meistens sind wir die Einzigen und wenn wir zahlen, füllt sich das Restaurant…
Heiraten geht auch am Donnerstag
Schlummertrunk in einem Riesenlokal Namens „Cantiere“. Aperitiv, Essen, Live-Musik…alles auf 2 Ebenen. Donnerstagabend und die Bude war brechend voll…wir haben Platz gemacht und zogen uns zurück.
Stimmt immer…toller Eingang…zum „Cantiere“……wo später noch eine Band spielte
Zum Aufstehen zeigte das Thermometer schon 26 Grad an. Als wir das Motorrad packten, schauten die anderen Gäste etwas verständnislos auf unsere Biker-Bekleidung. Aber ob Badekleid oder Motorrad-Bekleidung, schwitzen war in beiden Fällen angesagt.
Die Fahrt führte am Sant’Andrea Bogen vorbei. Ein wirklich schöner Flecken und ja…wir wären gerne ins Wasser gesprungen.
…Bucht von……Sant’Andrea……mit einigen Badegästen…Das Tor von der einen……und der anderen Seite
In Lecce durften wir unser Zimmer schon um 14 Uhr beziehen was uns sehr entgegen kam, denn heute musste wieder einmal gewaschen werden. Eine Wäscherei ganz in der Nähe erledigte das für uns in 3 Stunden für 10 Euro…Ich weiss nicht, wer hier noch etwas verdient.
Wäsche sortieren
In der Zwischenzeit schlenderten wir kurz durch die Altstadt…wir merkten aber schnell, dass wir fast die Einzigen waren bei diesen Temperaturen. Also haben wir uns angepasst, ein Bier getrunken und den Rundgang auf die Abendstunden verschoben.
Obelisk zu……verschiedenen……Tageszeiten
Tatsächlich waren nach 20 Uhr die Gassen voller Leute und die Restaurants gut gefüllt. Auch war das Ambiente mit der künstlichen Beleuchtung angenehmer, wie jenes am Mittag mit natürlichem Licht.
Als Rentner muss man ab und zu innehalten und die Kräfte einteilen. So stand der heutige Tag unter dem Motto „Pool, Liegestuhl und Reiseplanung“.
Die Segel für die nächsten Tage sind gesetzt, Körper und Geist im Einklang und die Batterien wieder geladen…könnte glatt ein Spruch aus einem Wellnesshotel sein.
Beim Nachtessen, erhielten wir viele Informationen über Speisen, Getränke und Spezialitäten, was uns (vor allem mich) motiviert, all diese feinen Rezepte in der Schweiz auszuprobieren.
Auch dieses Agriturismo war genau nach unseren Vorstellungen. Schöner Pool, feines Essen und delikate Weine…Abzug gibts für das dunkle Zimmer und die elend lauten Zikaden 😖.
alle Wäscheständer belegtausgemustert und ……als Deko benütztder Bauernhof mit……Stall Nr. 16……und unseren HufeisenAbendstimmung
Heute wieder etwas Kultur in Form von historischen Orten. Die Route führte uns an der Westküste des Absatzes bis nach Nardo.
Generell sind an der Küste immer irgendwelche Türme zu sehen. Heute Sehenswürdigkeiten, früher Verteidigungsbollwerke.
An der ganzen Küste gibt es kleinere und grössere BuchtenTorre Suda
Gallipoli, auch ein Ort den die Griechen vor Christus gegründet hatten. 1266 wurde das Castello gebaut, wie in Otranto ein gigantischer Bau.
Castello und……Dom von Gallipoliruhige und kühle Innenhöfe……und Meerwasser zum abkühlenWeihnachten kommt immer näher 😀…nur noch 175 Tageunterwegs Richtung Nardo……vorbei an Quattro Colonne……und dem Strand Maria di Bagno
Nächste Station unserer Reise war Nardo. Dort befindet sich auch eine kreisrunde Teststrecke mit 4km Durchmesser und einer Länge von 12.6km. Diese wurde in den 1970 Jahren mit Staatsgeldern gebaut. Seit 2012 gehört die Teststrecke der Firma Porsche. Zur Info…Geschwindigkeitsrekord für strassenzugelassene Fahrzeuge Königsegg CCR mit 387.9km/h. Der VW Nardo hält den Weltrekord für 24 Stunden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 322.9km/h.
Teststrecke Nardo (Internetbild)
Daneben glänzt die Stadt durch Gebäude aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
Zentrum von Nardo mit historischen Gebäuden
Zu guter Letzt noch ein Besuch in Ugento…was für eine Überraschung Castello, Kirche und uralte Gebäude.
Auf dem Rückweg sahen wir wieder kilometerlange Olivenplantagen welche niedergebrannt wurden…unser hölziges Herz leidet und blutet.
Abbrennen und ausreissen…einzige Alternative????…trotzdem noch etwas schönes am Ende des Tages
Heute fuhren wir ganz entspannt mit Tenue „Locker“ an der Küste entlang bis zur Südspitze des Absatzes, nach Santa Maria di Leuca und weiter nach Otranto.
Sonntag ein Ausnahmetag auf der ganzen Welt und ganz besonders in Italien. Es wird gejoggt und Velo gefahren auf den Hauptstrassen…man könnte fast meinen es würde ein Ironman druchgeführt. Dazu kommen all die Autofahrer die mit Schritttempo einen Parkplatz suchen…Kein Problem…Mit dem Zen-Fahrstil lässt sich das alles bewältigen.
Es fiel auf, dass die Strände schon ziemlich voll waren. Jeder suchte ein bisschen Abkühlung…diese kam im Laufe des Nachmittags ebenfalls in Form von einem kurzen Regenschauer.
Santa Maria di Leuca war voller Marktstände, so wie wir das von Luino kennen. Da ich mich die letzten Tage öfters über meine schäbigen kurzen Hosen beschwerte, musste ich heute dran glauben. Die WBS klapperte fast alle Stände ab und machte mir tausend Teile schmackhaft, was schlussendlich auch zu einem Kauf führte.
Santa Maria di LeucaSanta Cesarea Terme
Otranto, eine schöne alte Stadt die mit einer mächtigen Stadtmauer umgeben ist. Sandbänke im Hafen lassen das Meer türkisblau erscheinen und locken hunderte von Besuchern an.
Otranto – Bild aus dem Internet
Was wir gestern schon beobachteten, sahen wir heute wieder. Kilometerlange Olivenplantagen, welche nur noch dürre Bäume hatten. Zum Teil wurden sie abgebrannt und ausgerissen, oder einfach bis zum Stamm gestutzt. Recherchen ergaben, dass ein eingeschlepptes Bakterium die Bäume befällt und den Nährstofftransport blockiert. Die befallenen Bäume sterben letztendlich durch Wassermangel.
Im Jahr 2019 waren bereits 50’000 Hektar mit etwa 4 Millionen Bäumen verloren…ein Grund dafür…Monokultur. Man geht davon aus, dass 80% der Bäume absterben….ein trauriges Bild, wenn man bedenkt, dass einige der Bäume mehrere hundert Jahre alt sind.
Neue resistente Bäumchen werden gepflanzt…1000 in der Reihe, 1000 in der Breite…noch Fragen???? Es dauert dann ca. 7 Jahre bis die ersten Früchte geerntet werden können.
Befallene Bäume……abgestorben……zurückgestutzt……einige schlagen wieder aus……andere sind für……immer tot
Abschied von den Trullos und weiter in Richtung Süden Apuliens bis ans Ende des Absatzes.
Kurz nach Alberobello besichtigten wir Locorotondo, die runde Stadt.
Bild aus dem Internet
Die Stadt ist weit herum sichtbar und bietet ein schön dekoriertes Zentrum.
Im Zentrum……immer eine Kirche……dann…Gaststuben……in schön……dekorierten Gassen
Bei der Weiterfahrt wurde klar, dass in Apulien nie ein Bergrennen wird stattfinden können. Keine Berge oder Hügel und auch keine Kurven. Geradeaus fahren war heute Trumpf.
Einziges Highlight…das Auffinden unserer Herberge…wir sind gefühlte hundert Mal daran vorbeigefahren. Kein Schild, rein gar nichts…BMW Navi sagte rechts…Google verlangte links…Schlussendlich musste die weltbeste Sozia mit Handy navigieren und wie bei einer Rallye die genaue Meteranzahl angeben…siehe da, wir fanden das Juwel.
Masseria Casina dei Cari……mit Pool……und Zugang……zu einem……schönen Garten
Nach einer absolut stillen Nacht im Trullo, ging es zuerst auf die Suche nach einem Kaffee. Da wir absolut im Zentrum von Alberobello untergebracht waren, stellte dies keine Herausforderung dar. Nach dem der Koffeinhaushalt in Ordnung gebracht war, schlenderten wir durch das Dorf.
Schöne Ansicht mit all den TrullisSchöne Gassen……mit vielen……Blumen
Gegen Mittag meldete sich der Hunger, und zum ersten Mal seit wir in Italien sind, bestellten wir ein Tagliere. Bei uns besser bekannt als Aufschnittplatte mit Käse…nur viel grösser. Salami, Rohschinken, Speck etc. wurden vom Metzger frisch aufgeschnitten und waren von bester Qualität…Eine kleine Siesta rundete den heissen Nachmittag ab.
Am späteren Nachmittag war es denn auch schon wieder Zeit für einen Apéro. Dies auf einer originellen Terrasse, welche vom Weingut das uns das Trullo vermietete, betrieben wurde. Der Ausblick auf das Dorf erstklassig, Sangria hat jedoch viiiiel Luft nach oben.
Originelle Ort……für einen Apéro
Am Abend fand ein Konzert von Max Gazzè statt. Er muss wohl recht bekannt sein, denn die Piazza war ziemlich voll. Wir haben das Ende des Konzerts nicht mehr live miterlebt…Rentner gehen früh zu Bett🤣.
Wie jeden Tag im Agriturismo Lagala, wurde etwas Wein zum Frühstück serviert. Sieht gut aus, ist aber nur Traubensaft aus der Eigenproduktion…schmeckt so gut wie O-Saft.
Frühstück a la Tenuta Lagala
Danach wurde einmal mehr gepackt und wir steuerten die Hafenstadt Taranto an. Die Fahrt erinnerte ein bisschen an die Poebene. Wo keine Hügel sind, sind auch keine Kurven und die Fahrt war eher fad. Nur Weizenfelder so weit das Auge reicht.
Taranto ist wirklich kein Besuch wert. Die Stadt ist alt und wirkt heruntergekommen. Kurzer Spaziergang durch das Zentrum und weiter in Richtung des heutigen Zieles…Alberobello die Stadt der Trullis.
Hafenstadt Taranto……bietet nicht viel…ausser blumige Schilder……griechische Säulen……hängende Wäsche……und ein schönes Wandbild
Trulli ist die Bezeichnung der in Apulien vorkommenden Rundhäuser mit einem Steindach. Im 14./15. Jahrhundert wurden Siedlungen mit Steuern belegt. Also baute man Steinhäuser, welche schnell wieder abgebaut werden konnten, wenn der Steuervogt in der Gegend war. Dazu musste man nur die Grundsteine entfernen und das Haus verwandelte sich in einen Steinhaufen.
Unser Zuhause für die nächsten zwei Tage ist ein solches Trullo.
Irgendwie fühlt sich unsere Unterkunft an wie der Himmel auf Erden. Vielleicht tun wir uns deswegen schwer mit der Planung der Weiterreise. Wir unterbrachen unsere Recherchen und machten uns auf den Weg zum Castel del Monte.
Die Tagestemperatur hat in den letzten Tagen ziemlich zugelegt und Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten mit den Motorradkleidern werden langsam zur Herausforderung.
Das Castel del Monte ist ein Monumental-Bauwerk das 1240-1250 entstand. Es ist ein achteckiger Bau mit acht Türmen. Die einzelnen Räume sind nicht durchgehend begehbar, sondern nur durch ein raffiniertes Gangsystem.
Castel del Monte von weither sichtbarImposanter monumentaler Bau
Eine weitere Attraktion sollte eine Bauxit-Mine sein, welche bekannt ist für tiefrote Erde. Klar dass wir dieses Farbenspiel sehen wollten. Den Wegweiser haben wir tatsächlich gefunden und damit bogen wir ab auf eine 3km lange Schotterstrasse…(Soltermann-Land). Am Ende der Strasse war aber weit und breit nichts zu sehen von der roten Erde…
Schotterstrasse……Wald, aber keine……BauxitmineTrotzdem noch einen……Steinbruch gesehen
…also holperten wir zurück und steuerten die Eisenbahnbrücke mit den 21 Bogen an. Die war tatsächlich vorhanden, aber die Geleise sind längst demontiert. Trotzdem ein schöner Anblick inmitten all der Weizenfelder.
Coole Eisenbahnbrücke……leider ohne Geleise
Apropos Weizenfelder…die Getreideernte ist in vollem Gange. Die Mähdrescher fahren ohne Unterbruch kilometerlange Bahnen und der Weizen wird auf 40T-LKW’s geladen. Das ganze ist eine Nummer grösser als in der Schweiz.
Getreideernte ist……voll im Gang
Nach der Ankuft im Agriturismo, noch schnell in den Pool gehüpft und danach ein feines Nachtessen serviert bekommen.
Agriturismo Lagala…Diese beiden……produzieren feinste……Weine und ÖleTerasse und……Innenraum des……Restaurants…Blick in die Reben