Das Tetris-Spiel beim Packen haben wir langsam im Griff..die Koffer lassen sich schon ohne Murks schliessen.
Bei angenehmen 21 Grad und leicht bewölktem Himmel führte unsere Route nordwärts. Siracusa, Catania und Taormina waren bekanntere Orte an welchen wir vorbeikamen.
Eindrücke aus SiracusaIdylle am ionischen MeerRyanair im Anflug auf Catania
Die Stadt Catania liessen wir, via Autobahn, rechts liegen. Stop and Go wollten wir uns nicht antun. Ein paar Kilometer nach Catania, wurde es aber Zeit wieder auf die Hauptstrasse zurückzukehren. Ein fataler Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Offenbar sind alle Pfingst-Touristen in der Region Taormina….Stop an Go wäre angenehm gewesen…..meistens war es Stop und gehupe…
Schlussendlich doch noch im Agriturismo angekommen…Auswärts fein gegessen und ein Schlummerbecher auf dem Balkon, mit Sicht auf Kalabrien.
Noch ziemlich windig präsentierte sich der heutige Morgen, doch ein Silberstreifen war am Horizont zu sehen. Freude herrscht!!!
Die heutige Fahrt führte uns an den südöstlichsten Zipfel von Sizilien, nach Capo Passero. Nördlich von Modica waren wir wieder ganz alleine unterwegs. Vereinzelte Bauernhöfe, einige Rindviecher (eines mit Motorrad), Ackerbau, Mandel- und Olivenbäume dominierten die Landschaft. Es war einfach ein Genuss in dieser farbenprächtigen Landschaft dahin zu gleiten und die unterschiedlichen Düfte wahrzunehmen.
Farbenpracht……soweit das……Auge reicht……dies muss……fotografisch……dokumentiert werdenAuch die Bauern……freuen sich über……SonnenscheinJohannisbrotbaum mit Früchten
Dass auch andere Lebewesen nach etwas Wärme lechzten, bemerkten wir, als eine Schlange vor uns auf der Strasse auftauchte. Bei näherkommendem Motorengeräusch verzog sie sich aber ins hohe Gras.
Ohne Fell ist es mit Sonne deutlich angenehmer
Die nächst grössere Stadt Noto ist Weltkulturerbe der UNESCO. Dies sieht man auf den ersten Blick…praktisch alle Gebäude sind saniert und in sehr gutem Zustand. 10km vor den Stadttoren liegt die alte Stadt Noto, welche ebenfalls 1693 beim Erdbeben zerstört wurde. Anders als Modica und Ragusa, wurde die Stadt an einem tiefer gelegenen Ort neu aufgebaut. Die alten Gemäuer werden seitdem der Natur überlassen. Faszinierend zu sehen, wie sich die Natur ihr Terretorium wieder zurückholt.
Noto Antica Neue Stadt von Noto
Der Küste entlang erreichten wir Capo Passero und somit das Ionische Meer. Richtung Modica zierten dann wieder unzählige Gewächshäuser für Tomaten und Melonen unseren Weg.
Das Sturmtief „Minerva“ lässt uns nicht los und zwingt uns, die Pläne kurzfristig zu ändern. Gestern Abend waren die Prognosen noch recht gut, so dass wir heute zur südöstlichsten Spitze fahren wollten.
Doch schon beim Frühstück verdunkelte sich der Himmel und öffnete die Schleusen. Also abwarten und Kaffee trinken. Dann erste scheue Aufhellungen…rein in die Motorradkleider. Bei der Ausfahrt aus der Garage…erste Tropfen und dann Starkregen. Also alles zurück auf Start.
Diese Bilder……kennen wir……zur Genüge
Neuer Plan…Kleider waschen in einem Waschsalon. Dies klappte auf Anhieb, aber auf dem Weg zur Wäscherei mussten einige wässerige Hindernisse überwunden werden.
Für den Nachmittag zogen wir den Besuch der Stadt Ragusa in Betracht. 13.30 Uhr…diverse Apps zeigten keinen Regen mehr für die nächsten Stunden. Rein in die Motorradkleider…und wieder warten…Nach einer halben Stunde Wartezeit fuhren wir doch noch los.
Ragusa, rechts die Altstadt, links der neue StadtteilSchlafwetter
Übrigens die regenlose Zeit kam erst gegen 16 Uhr…als wir Modica von der gegenüberliegenden Seite sahen.
Ahhhh, was für eine Überraschung heute morgen. Einmal nicht nur bewölkt, sondern bewölkt und lang anhaltender Regen. Die Wetter-Apps zeigten ein ziemlich einheitliches Bild….Regen bis auf Weiteres. Nun auch die verschobene Abfahrtszeit half nicht viel weiter. Wir verabschiedeten uns von unseren Gastgebern Calogero und Michelle, schlossen die Schotten an unseren Kleidern und ab ging die Post. Nun nicht so wirklich, denn Gullys oder Abflüsse sind den Sizilianern völlig unbekannt. Hingegen kennen sie Seen und fliessende Gewässer auf den Strassen umso besser. Wir wurden also nicht nur vom Regen nass, nein auch die entgegenkommenden Fahrzeuge, welche durch diese Pfützen pflügten, spritzten uns voll.
Dass es die ganze Nacht ziemlich stark geregnet hatte, war am Schlamm, Kies und Dreck auf den Strassen zu sehen. Je weiter östlicher wir kamen, desto trockener wurde es. Das bedeutete auch, dass der Rotz auf der Strasse von glitschig zu staubig mutierte….grmpfl😠
Ohne kurvenreiche Strassen, waren wir um 15 Uhr im Hotel. Wir schnappten uns ein Taxi und sahen uns die Altstadt von Modica an. Es versöhnte die vorangegangenen Stunden.
Die Altstadt von Modica wurde nach einem Erdbeben 1693 komplett wieder aufgebaut. Die Stadt strotzt nur so von Palästen, Kirchen und Treppenaufgängen.
Eindrücke aus ModicaNachtessen in einem urigen Lokal, Bratwurst im Nero d’Avola-SudBlaue Stunde in Modica
Der Morgen startete wie erwartet….trüb aber trocken. Einziger Unterschied…die Trübheit stammte vom Sahara-Sand. Das dem auch wirklich so ist, haben wir sofort an unserem fahrbaren Untersatz gesehen.
Mist aus der Sahara
Heute stand ein weiterer Touristen-Meilenstein auf dem Programm…die Scala dei Turchi. Ein aus Mergel bestehender, strahlend weisser monumentaler Felsen. Eigentlich ist der Zugang abgesperrt, aber wenn alle Zäune niedergetrampelt werden, dann ist der Weg wieder frei.
Ein schöner Ort, welcher unzählige Leute anzieht. Ich kann mir vorstellen, wie dies in der Hochsaison aussieht.
Scala dei Turchi von allen Seiten
Der weitere Verlauf des Tages führte uns nach Licata. Hier fiel uns auf, dass es sehr viele Gewächshäuser gab. Auf Nachfrage wurde uns erklärt, dass damit die Früchte einen früheren Reifezeitpunkt erreichen und damit höhere Preise erzielt werden.
Nachmittagshalt in einer Gelateria….die Bedienung war sehr, sehr grosszügig, die zwei Riesenkugeln mussten mit Geschick auf dem Cornet balanciert werden. Im Dorf selber fuhren wir an richtig grossen Villen und Herrschaftshäusern vorbei. Leider sahen wir links und rechts der Strassen keine Blumenpracht mehr, sondern Müll ohne Ende. Von Abfallsäcken über Möbelstücke bis zu Matratzen war einfach alles zu sehen. Für mich eine Schande und ein Armutszeugnis für die Bewohner.
Der heutige Tag sollte uns die Stadt Agrigento etwas näher bringen. Doch dieses Unterfangen musste wegen Regen um zwei Stunden verschoben werden.
Die Fahrt nach Agrigento war schon ein Abenteuer, da es sehr starke Windböen gab, welche das Motorrad mal nach links und dann wieder nach rechts versetzten.
Am Strand peitschte Meerwasser und Sand in unsere Gesichter…keine freundliche Angelegenheit. Dieses Schauspiel von einer Strandbar zu beobachten, hielten wir für eine bessere Idee…aber kein Sonnenschein…keine geöffnete Strandbar.
Im Hafen ruhig……draussen welligNoch mehr Tempel
Dann halt nicht…so peilten wir den nächsten Haltepunkt an. Sutera, ein mittelalterliches Dorf names „Balkon Siziliens“. Der Weg dahin war jedoch recht abenteuerlich. Der Regen brachte Dreck und Steine von den Feldern auf die Strassen. Zum Teil lagen riesige Pfützen vor uns, welche mit erhobenen Füssen durchquert werden mussten. Schade konnten wir uns in dieser Position nicht fotografieren.
Sutera präsentierte sich allerdings ziemlich leer. Doch der Wegweiser „Aufzug“ zog uns in den Bann. Allen Schildern gefolgt und tatsächlich fanden wir einen Aufzug zur Burg. Dieser wurde mit europäischen Mitteln gebaut (2 Millionen) und dann wegen zu hoher Betriebskosten nie in Betrieb genommen…Mafia??? Kommentar überflüssig.
Sutera, der Balkon SiziliensEs war trotzdem ein schöner Tag
Die Reise geht weiter Richtung Süden in die Nähe von Agrigento. Das Wetter zieht sich durch wie ein roter Faden. Es will einfach nicht besser werden.
Eingangstor zur Stadt Gibellina
Bei einsetzendem Regen haben wir uns kurzerhand entschlossen, den Kulturpunkt „Überreste der alten griechischen Statdt Selinus“ links liegen zu lassen und direkt ins Hotel zu fahren. Kurz nach diesem einstimmigen Beschluss hörte es auf zu Regnen. Kurzer Halt, Navi neu porgrammiert und Kulturpunkt wieder ins Tagesprogramm aufgenommen.
Was soll man zu dieser Fundstätte sagen…meiner Meinung nach, waren die im 7. Jahrhundert v. Chr. genau so weit wie wir…oder noch weiter. Unsere Bauten werden auf jeden Fall nicht so lange stehen, ausser vielleicht das KKG (Insider-Scherz)
Würde uns gut tun, wieder so zu arbeitenDie Griechen wussten damals schon wo es schön ist
Nach soviel alten Steinen und gepflasterten Wegen, fuhren wir zum Hotel. Meine oben geschriebenen Gedanken bewahrheiteten sich schneller als gedacht. Die Strassen und Wege aus der Fundstätte waren in besserem Zustand als einige der Strassen die wir heute befuhren. Dies zum Leidwesen der weltbesten Sozia, welche die Löcher und Schläge nicht sieht aber zu spüren bekommt. Die Kommentare welche mich via Helm-Kommunikation erreichten, kann ich leider nicht wiedergeben. 💥💣🖖👀😱
Olivenplantage ohne……und mit BlumenJunger Weinohne Worte
Unsere Unterkunft „Agriturismo Feudo Muxarello“ ist im Niemandsland. Wir sind umgeben von Reben, Oliven-, Feigen-, Zitrus-, Aprikosen- und Mandelbäumen.
Der neue Tag präsentierte sich mit blauem Himmel, ein paar Wolken und etwas Wind. Perfekt um unsere Hotspots im Westen zu besuchen.
Kurz nach Trapani wichen die Häuser dem Aggrarland. Olivenbäume, Reben, Gemüse usw. wird angebaut und bewirtschaftet. Einsam fuhren wir durch malerische Gegenden, welche sich im Sonne-und Wolkenspiel immer wieder veränderten. Wie schon in den letzten Tagen, waren auch heute die Strassen links und rechts mit einem üppigen Blumenmeer tapeziert.
In Salemi, zeigten die Schilder nach rechts und die Pfeile auf dem Navi wiesen nach links. Kurze Pause um die definitive Richtung zu bestimmen. Schon kam ein Einheimischer auf uns zu, fragte woher wir sind und wohin wir gehen….und dann kamen im Sekundentakt Vorschläge und Routenanweisungen, gepaart mit vielen Gesten….einfach italienisch. Einer seiner Tipps war die Burg in Salemi, welche vom Dorfzentrum einfach zu erreichen war. Inzwischen kennen wir das…engste, steile Strassen aus aalglatten Marmorsteinen…Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Blumen wachsen überallEnge GasseIl Castello Arabo-Normanno in Salemi
Weiter führte uns die Fahrt wieder zur Nordwest-Küste nach Castellammare del Golfo. Unterwegs sichteten wir noch ein Monument auf einem Hügel, welches wir spontan anfuhren. Nun der Obelisk gab nicht viel her, dafür der Blick ins Land.
Selfie mit Obelisk……ist dem Tier egalCalatafimiTempel steht schon über 2000 Jahre……er wird nicht so lange durchhaltenauf dem richtigen WegZum ersten mal Artischocken im Garten gesehen
Castellammare ein ehemaliges Fischerdorf und heute ein Touristenmagnet mit mehr als genügend Restaurants am Meer. Nett, von oben gesehen sehr nett.
Castellammare
Nächter Halt San Vito Lo Capo. Bekannt ist dieser Ort durch den Strand, welcher in einer geschützten Bucht liegt. Trotz etwas kühleren Temperaturen, lagen schon einige Badetouristen im Sand.
Alle wollen……an die……Sonne
Letzter Punkt war Antica Erice, eine mittelalterliche Stadt auf dem gleichnamigen, 750m hohen Berg Monte Erice. Neben den antiken Gebäuden, überzeugte dieser Ort mit einer spektakulären Aussicht. Vom Hotel sahen wir direkt auf den Monte Erice, welcher sich aber immer in Nebel hüllte. Heute war es nicht ganz so schlimm, jedoch war die um 5 Grad kühlere Temperatur deutlich spürbar.
Antice Ericealte……GemäuerKunst und……KitschSalinen von Trapani
Zum Aufstehen gabs bedeckter Himmel mit Aussicht auf Regen. Kurzerhand verschob sich unsere Aktivität von Motorradrunde auf Stadtbesichtigung.
Die Fahrt nach Trapani führte dem Meer entlang, was aber bei diesem Wetter auch keinen Jöö-Effekt erzielte. Motorrad geparkt und ab in die Altstadt.
Steinmetz-Kunstnoch zeitgenössisch???ungewöhnlicher Platzfährt immer noch……fährt auch so
Aus einem Gebäude strömten eine grössere Anzahl Personen. Unsere Neugier wurde geweckt, denn dies musste etwas Interessantes sein. Es war die Kirche „Chiesa del Purgatorio“. Sie war voll von Holzskulpturen, welche die 14 Stationen des Kreuzweges Jesu zeigten. Diese werden während der Osterprozession (Processione dei Misteri) durch die Straßen getragen.
Chiesa del PurgatorioHolzskulptur
Nachdem die Altstadt von Trapani besichtigt war, fuhren wir weiter südwärts um die Salinen zu besichtigen. Die Salinen von Trapani und Paceco sind eine Kulturlandschaft, die von grossen Salinenfeldern geprägt ist. In den 1950er Jahren wurde die Meersalzgewinnung eingestellt und die ganze Region ist heute ein Naturreservat.
Salinen von Trapani und PacecIo
Gegen Abend schaute dann noch die Sonne kurz vorbei, was Hoffnung macht für den morgigen Tag😀
Aussicht vom Hotel……auf besseres WetterHotel RestaurantRosmarin als……Polsterpflanzen
Heute warteten wir auf den Anruf von Davide dem Reifenhändler. Da wir vermuteten, dass die Reifen erst gegen Mittag geliefert werden, zog es uns noch einmal in die Stadt. Die Besichtigung der Cappella Palatina, aus dem Jahre 1132, wollten wir uns nicht entgehen lassen.
Leider waren wir nicht die Einzigen, welche diesen Ort besuchten. So mussten wir uns halt überall ein bisschen in Geduld üben, um die Exponate zu sehen.
Wie schon in Monreale, dominierten auch hier die Wandgebilde aus Mosaiksteinen. Man steht mit offenem Mund da und denkt sich, wie viele Personen wohl wie lange dafür gearbeitet haben.
Eindrücke aus der Cappella Palatine
Ein weiteres Bijou war der königliche Garten. Pflanzen und Bäume aus aller Herrenländer. Wurzelwerk, dass uns zeigt, dass wir nur ein kleiner unbedeutsamer Tropfen im Meer des Lebens sind.
Imposantes……Wurzelwerk
Als dann der Anruf gegen 12 Uhr kam, huschten wir zurück ins Hotel, zogen uns um und warfen uns mutig wieder in den Stadtverkehr.
Alter Reifen……demontiert……neuer Reifen montiertAlt gegen……Neu
Davide war gerade am Mittagessen und offerierte uns ebenfalls ein Arancino, mit dem Hinweis, dass die Besten nur aus Palermo kommen. Als er dann noch erfuhr, dass wir diese Spezialität noch nicht probiert haben, zückte er sein Handy und präsentierte uns Fotos von all den Köstlichkeiten die wir unbedingt noch probieren sollten. Notiz am Rande, wenn er und seine Freunde/Familie grillieren, dann liegt Fleisch für eine halbe Armee auf dem Grill.
Die weltbeste Sozia, hatte gestern schon gesehen, dass sich gerade neben dem Reifenhändler ein Coiffeur befindet. Also wurde die Wartezeit effizient genutzt und die Haare in Form gebracht. Fazit….Reifenwechsel ist bedeutend kürzer, aber die Coiffeuse hat ganze Arbeit geleistet. Um halb vier verabschiedeten wir uns von Coiffeuse und Davide mit Umarmungen!!!!!