Italien – Tag 102

Milano (0km)

Der heutige Tag stand ganz und gar unter dem Motto „Sightseeing“. Mit dem Bus ging es ins Zentrum. Für eine schnelle Übersicht der Stadt benuzten wir den Hop on Hop off Bus.

Drei Stationen waren wir beim Dom, den wir uns zuerst anschauen wollten. Geduld beim Ticketkauf war angesagt, da offenbar nicht alle Touristen in Monza am Formel 1 Rennen waren.

Wie schon öfters auf unserer Reise, staunten wir über die Baukünste vor dreihundert und mehr Jahren. Ich bin überzeugt, dass solche Bauten heute nicht mehr erstellt werden könnten.

Nach diesen monumentalen Eindrücken mussten wir erst einmal etwas trinken…natürlich mit Sicht auf den Dom. Wie schon hundert mal, bestellten wir ein Aqua Tonica und ein Birra grande…kurz gesagt, auch hier wurden die Grenzen verschoben, bei der Menge und dem Preis…Birra grande = 1Liter für läppische 22 Euro. Hiermit wurden sogar die St. Paulipreise überboten.

Im Verlauf des Nachmittages fuhren wir kreuz und quer durch die Stadt und sahen historische wie auch ultramoderne Bauten.

Bosco Verticale…Senkrechter Wald, so werden die begrünten Zwillingstürme genannt, die 110m und 80m hoch sind. Etwa 900 Bäume und 2000 andere Pflanzen wurden in den Terassen, Balkonen und Fassade gepflanzt. Dies würde einer Waldfläche von 7000 m2 entsprechen.

…und neben dem Formel 1 Rennen fand auch noch ein Fussballspiel zwischen Inter Mailand und Fiorentina im San Siro Stadion statt…

Italien – Tag 101

Wohlen – Milano (373km)

Heute war es also soweit…die grosse Hitze ist Geschichte und wir schwangen uns wieder auf das Motorrad um unsere Italienreise weiter zu führen.

In der Zwischenzeit haben wir Haus und Garten genossen, sowie viele bekannte Gesichter wieder gesehen. Ebenfalls wurde das Motorrad gewartet, so dass wir die nächsten zwei Monate ohne Bedenken geniessen können.

Tagwache war um 06.15…etwas früher als die letzten Tage…ja, ja die Unruhe lässt uns auch im gesetzteren Alter nicht im Stich.

Nachdem wir gestern schon alles vorbereitet hatten, hiess es heute nur noch Koffer schliessen und Gepäck auf dem Motorrad befestigen. Unglaublich aber wahr, es geht noch mit weniger Gepäck. Diesmal war kein Tetris nötig um alles in den Koffern zu verstauen.

Kurz nach acht Uhr fuhren wir los. Die Reise führte uns via Brünig, Grimsel, Simplon nach Mailand.

Brünig und Grimsel waren etwas zäh zum fahren, da offenbar ein Fahrrad-Event stattfand. Hunderte quälten sich die Pässe hoch…Ich schaute jedem ins Gesicht, aber keiner, wirklich keiner machte einen glücklichen Eindruck…

Nach dem Simplonpass wurde die Strecke etwas weniger anspruchsvoll, dafür nahm der Verkehr zu. Es dauerte aber fast 50km, bis ich den italienischen Fahrstil wieder verinnerlicht hatte.

Kurzer Spaziergang mit Apero in der Hotelumgebung, dann ein feines Nachtessen.

Gewöhnungsbedüftig, um 20 Uhr ist es schon dunkel…


Italien – Tag 100

Isola – Wohlen (245km)

Blauer Himmel am Morgen über Isola und kein Regen wie angkündigt. Kurz überlegten wir uns noch via Disentis, Oberalp nach Hause zu fahren, da die Autobahnfahrt nicht so unser Ding ist…Schlussendlich entschlossen wir uns für die Heimfahrt auf Hauptstrassen über Chur und dan am Walensee entlang.

Die Fahrt über den Splügenpass führte uns vorbei am Albergo Posta, Sufnersee, der Via Mala…schöne Erinnerungen an die Wanderung. Aus diesem Grund machten wir die erste Pause auch bei der Bäckerei Gyger in Thusis, dem Startpunkt der Via Spluga. Wie alles in dieser Bäckerei kam auch die heisse Schokolade ganz speziell daher…

In Chur dann der erste Regenguss…kurz und heftig. Wir sind diese Strecke schon ein paarmal gefahren, aber noch nie neben der Autobahn. Es hat auch seinen Reiz, wenn man einfach die Zeit hat und nicht auf dem direkten Weg fahren muss.

Vor Walenstadt wurde es dann aber eher garstig…heftiger Regen machte sich breit…auch wenn man Zeit hat, fahren im Regen macht keine Freude. Somit wurde der direkte Weg, sprich Autobahn, gewählt.

Gegen 15 Uhr standen wir da, wo wir vor hundert Tagen losgefahren sind.

Dank meiner Schwester Elisabeth, mussten wir auch nicht auf ein Znacht verzichten…es hätte nicht schweizerischer sein können…Merci viel mol.

Wir freuen uns auf die nächsten Tage, welche der Reisevorbereitung und der Umgebungspflege gewidmet sind.

Am 01. September werden wir den 2. Teil unserer Italien-Reise in Angriff nehmen. 👋👍

Italien – Tag 99

Verona – Chiavenna (207km)

Nach einer kurzen Nacht ging es zeitig los. Grund dafür war der Markt in Chiavenna, der um 13 Uhr schliesst. Dort hatten wir im letzten Jahr nach der Splügenwanderung italienische Spezialitäten eingekauft. Weil die alle so schmackhaft waren und wir den Splügenpass nun mit anderen Augen sehen, lag es auf der Hand hier noch einmal einen Halt zu machen, bevor es definitiv nach Hause geht.

Der Marktfahrer hat wohl den Tagesumsatz schon mit uns erreicht, anders kann ich es mir nicht erklären, dass er noch eine Salami als Geschenk mitgab. Somit wurden auch die allerletzten Gepäcklücken aufgefüllt.

99 Tage unterwegs, es kommt mir vor, als wären wir erst gestern losgefahren. 13’000km ohne Unfall, Defekte, Komplikationen, dafür mit vielen Begegnungen, schönen Orten und Eindrücken, welche wir wohl erst nach und nach verarbeiten werden.

Anfang September packen wir wieder und fahren den 2. Teil unserer Reise. Bis dahin überlassen wir das Feld den Urlaubern und Italienern…


Italien – Tag 98

Verona (0km)

Nachdem wir den gestrigen Nachmittag noch am Po ol verbracht hatten, stand heute mit der Stadt Verona das volle Kulturprogramm im Fokus.

Vom Taxistand aus war die Arena von Verona schon sichtbar. Beindruckendes Gemäuer von aussen…leider ist alles überstellt von Requisiten für die verschiedenen Opern, denn die Festspiele finden zur Zeit zum hundertsten mal statt. Unglaublich mit wieviel Aufwand jeden Tag umgebaut wird. Mit einem mobilen Kran werden die einzelnen Teile über das Gebäude in die Arena gehievt.

Anschliessend reihten wir uns ein in die Prozession entlang der Ladenstrassen…Gucci, Dolce-Gabbana, Rolex…alle lockten mit „Saldi“ und trotzdem reichte es noch nicht zum einkaufen.

Was zu Verona gehört wie die Luft zum atmen ist der Balkon von Julia, aus dem Roman Romeo und Julia…klar das wir den auch sehen wollten…mit tausend anderen zusammen…schön brav in der Reihe anstehen und im Gänsemarsch am Balkon vorbei…

Nach soviel Herzschmerz musste etwas gefuttert werden…in dieser Stadt hat man die Qual der Wahl…selten habe ich so viele Restaurants an einem Ort gesehen und alle voll mit Touristen. Die Erwartungen waren dementsprechend eher gering, was den Service und die Speisen betraf. Doch wir wurden völlig überrascht…Perfekter Service und excellentes Essen…diese Kombination hatten wir bis jetzt nur einmal erlebt.

Zum Kulturprogramm gehörte natürlich der Besuch der Oper „Nabucco“. Zugegeben nicht gerade meine Stilrichtung, aber wenn schon Verona, dann richtig.

Der Gefangenenchor war der Höhepunkt der Oper…es wurde so lange applaudiert bis das Orchester und der Chor das Stück noch einmal wiederholten…Beeindruckend, alles ohne Mikrofon und Lautsprecher!!! https://youtu.be/nFsljT1362s.

Die Oper begann um 21.15 Uhr und nach jedem Akt wurde 20 Minuten umgebaut…Ende der Vorstellung weit über Mitternacht. Ein Erlebnis, welches Spuren hinterlässt.

Italien – Tag 97

Ono Degno – Verona (157km)

Die Reise neigt sich dem Ende zu…wir fuhren heute zum zweitletzten Etappenort nach Verona. Dabei wollten wir am Stausee Lago di Valsvestino vorbei an den Gardasee fahren und diesen umrunden.

Doch schon in Riva del Garda haben wir diesen Plan geändert und sind weg vom See. Der Grund dafür lag im Verkehr…Ferienzeit = Stauzeit.

Die Temperaturen sind inzwischen auch deutlich zurück gegangen und damit war das Motorradfahren wieder sehr angenehm.


Italien – Tag 96

Ono Degno – Passo Croce Domini – Lago Idro (158km)

Nach dem gestrigen Gewitter zeigte sich der Himmel heute strahlend blau. Zu diesem Anblick gesellte sich ein kleines aber feines Morgenbuffet, das mit sehr vielen selbstgemachten Produkten auftrumpfte.

Unsere Agriturismo war nicht zufällig gewählt, sondern ganz bewusst um das soziale Feingefühl für Mitmenschen wieder zu schärfen.

Lothar, ein Motorradkollege arbeitet auf einem Campingplatz am Lago Idro, da war ein Besuch fast Pflicht. Im Vorfeld hatten wir schon Kontakt und heute fuhren wir nun die Tour zusammen.

Zuerst aufwärmen nahmen wir uns den Passo del Maniva unter die Räder. Von dort aus zum Passo Croce Domini, an dem seinerzeit Röbi Weiersmüller verunglückte. Wie damals sind auch heute etwa 6km nicht asphaltiert. Diesmal aber waren die Steine und die Gräben durch das Unwetter vor zwei Tagen etwas ausgeprägter. War aber nicht so dramatisch, die weltbeste Sozia nahm es relativ gelassen. Die Fahrt führte uns weiter nach Bagolino und auf einer anderen Route zurück zum Passo del Maniva.

Beim Mittagsrast wurde die Sozialkompetenz wieder etwas aufgebaut und flugs war es Zeit den Weg Richtung Lago Idro anzutreten. Gemäss Lothar eine Fahrt mit grossartigem Ausblick.

Kurz nach der Abfahrt folgte schon Schotter, gepaart mit einer etwas engeren ungesicherten Fahrbahn. Kein Problem, obwohl die senkrecht abfallenden Wände auf der Talseite doch recht beeindruckend waren. So ging es munter weiter, Lothar voraus wir brav hinten nach. Wasserlöcher, grössere Felsbrocken und Gräben wurden Motorradgerecht umfahren. Doch dann kam ein Wasserloch das etwas grösser war und sich nicht umfahren liess. Unser Kollege, mutig wie immer, stach rein und…blieb mit dem Vorderrad im Schlamm stecken. Gemeinsam lösten wir sein Problem…aber nun kam meines…nur nicht stecken bleiben und umkippen…hat geklappt. Der Rest der Strecke war eng und mit Ästen und Laub übersät. Auch hier ein Lob an die weltbeste Sozia…gelassen im Sattel gesessen und sich von den Gräben und Steinen massieren lassen. Im Nachgang habe ich herausgefunden, dass es der Passo della Spina war.

Am Lago Idro besichtigten wir den Campingplatz, welcher bis auf den letzten Platz gefüllt war…Ein Drink zum Abschied und das Versprechen bald wieder zusammen zu fahren rundeten den Tag ab. Dass es immer noch Mängel beim sozialen Feingefühl gibt, zeigte sich beim Schreiben dieser Zeilen…Wir haben kein Foto zusammen mit Lothar gemacht 😔.



Italien – Tag 95

Santa’Agata – Ono Degno (202km)

Heute machten wir einen weiteren Schritt Richtung Heimat. Vom Tal der Motoren ging es heute in die Berge zu unserem Agriturismo, welches wirklich an einem Ort steht, wo sich Hasen und Füchse „Gute Nacht“ sagen.

Bei der Abfahrt gab es zunächst grosse Augen. In unserer Fahrtrichtung   sahen wir schwarze Wolken, Blitze und schon bald spürten wir die ersten Tropfen. Spontan änderten wir die Richtung um das Gewitter zu umfahren, was uns souverän gelang. Allerdings sahen wir auf dem ganzen Weg, dass schwere Gewitter und Hagel in der letzten Nacht ziemliche Schäden angerichtet hatten.

Noch ein Novum sah ich heute…Der Fluss Po führte einmal richtig viel Wasser. Als wir den Fluss auf einer ramponierten Brücke überqueren mussten, sahen wir die neue Stahlbrücke mit welcher man wohl vor Jahren begonnen hatte. Was auch immer passiert ist, man hat den Bau eingestellt und nun rostet sie vor sich hin.

Am Gardasee vorbei ging es nun auf engen Bergstrassen aufwärts nach Ono Degno…die Ortschaften wurden weniger…ebenso die Häuser…und einsam an einem Hang stand unser Agriturismo umrahmt von Bergen und Wäldern.


Italien – Tag 94

Ein Tag für und mit schnellen und teuren Autos (60km)

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Tiere. Genau genommen betrachteten wir Stiere und Pferde, oder anders ausgedrückt Lamborghini und Ferrari.

Erste Station die Werkstatt von Enzo Ferrari in Maranello. Ein sehr schön gemachtes Museum, welches mit seiner modernen Form gut zusammenpasst mit dem Geburtshaus und Werkstatt von Enzo Ferrari. Der Neubau soll übrigens die Motorhaube eines Rennwagens darstellen.

Im Geburtshaus wurde neben vielen Fotos und Dokumenten sein Büro gezeigt.

Im neuen Teil sind wichtige Meilensteine der Ferrari Autogeschichte ausgestellt…

Die Reise ging weiter im Tal der Motoren. Von Modena vorbei am Maserati Werk nach Maranello.

Im Museum von Maranello gibt es den Auto- und den Rennsportbereich. Beide Bereiche zeigen wichtige Stationen der Firma.

Nach so vielen Pferden ging es weiter zu den Bullen. Die Modellbezeichnungen sind Namen von legendären Kampfstieren.

In diesem eher kleinen Museum sah ich Kindheitsträume (Miura / Urraco) und Altersträume, wenn die Rente etwas höher ausgefallen wäre (Diablo / Countach)

Weitere Hochkaräter

Italien – Tag 93

Fucecchio – Sant’Agata Bolognese (189km)

Eine weitere Etappe nordwärts hatten wir heute vor uns. Diese führte uns via Abetone – Maranello (Sitz des Ferrari Rennstalls) – Fiorano (Ferrari Teststrecke) – Modena (Geburtsort Enzo Ferrari, Maserati Werk) nach Sant’Agagta (Lamborghini Wek). Also von der Geschichte der Zeit zur Geschichte der schnellen Autos. In der Umgebung produzieren noch mehrere namhafte Auto- und Motorradhersteller ihre edlen Teile.

Vor drei Monaten fuhren wir die Strecke in umgekehrter Richtung nach Livorno. Damals hielten wir in Abetone (1400m.ü.M) an und machten ein Foto. Im ganzen waren vielleicht 30 Personen auf dem Parkplatz zu sehen. Heute wimmlete es nur so von Motorradfahrern, Mountain-Biker, Wanderer usw. Schon weit vor dem Parkplatz war alles voll. Oben im Ort gab es keine Chance ein Parkplatz zu finden, geschweige denn ein Foto zu machen.

Da wir quer über den Apenin fuhren, waren die Temperaturen recht angenehm und legten erst in der Ebene wieder zu.