Italien – Tag 72

Presicce-Acquarica – Otranto und zurück (134km)

Heute fuhren wir ganz entspannt mit Tenue „Locker“ an der Küste entlang bis zur Südspitze des Absatzes, nach Santa Maria di Leuca und weiter nach Otranto.

Sonntag ein Ausnahmetag auf der ganzen Welt und ganz besonders in Italien. Es wird gejoggt und Velo gefahren auf den Hauptstrassen…man könnte fast meinen es würde ein Ironman druchgeführt. Dazu kommen all die Autofahrer die mit Schritttempo einen Parkplatz suchen…Kein Problem…Mit dem Zen-Fahrstil lässt sich das alles bewältigen.

Es fiel auf, dass die Strände schon ziemlich voll waren. Jeder suchte ein bisschen Abkühlung…diese kam im Laufe des Nachmittags ebenfalls in Form von einem kurzen Regenschauer.

Santa Maria di Leuca war voller Marktstände, so wie wir das von Luino kennen. Da ich mich die letzten Tage öfters über meine schäbigen kurzen Hosen beschwerte, musste ich heute dran glauben. Die WBS klapperte fast alle Stände ab und machte mir tausend Teile schmackhaft, was schlussendlich auch zu einem Kauf führte.

Otranto, eine schöne alte Stadt die mit einer mächtigen Stadtmauer umgeben ist. Sandbänke im Hafen lassen das Meer türkisblau erscheinen und locken hunderte von Besuchern an.

Was wir gestern schon beobachteten, sahen wir heute wieder. Kilometerlange Olivenplantagen, welche nur noch dürre Bäume hatten. Zum Teil wurden sie abgebrannt und ausgerissen, oder einfach bis zum Stamm gestutzt. Recherchen ergaben, dass ein eingeschlepptes Bakterium die Bäume befällt und den Nährstofftransport blockiert. Die befallenen Bäume sterben letztendlich durch Wassermangel.

Im Jahr 2019 waren bereits 50’000 Hektar mit etwa 4 Millionen Bäumen verloren…ein Grund dafür…Monokultur. Man geht davon aus, dass 80% der Bäume absterben….ein trauriges Bild, wenn man bedenkt, dass einige der Bäume mehrere hundert Jahre alt sind.

Neue resistente Bäumchen werden gepflanzt…1000 in der Reihe, 1000 in der Breite…noch Fragen???? Es dauert dann ca. 7 Jahre bis die ersten Früchte geerntet werden können.


Italien – Tag 71

Alberobello – Presicce Acquarica (193km)

Abschied von den Trullos und weiter in Richtung Süden Apuliens bis ans Ende des Absatzes.

Kurz nach Alberobello besichtigten wir Locorotondo, die runde Stadt.

Die Stadt ist weit herum sichtbar und bietet ein schön dekoriertes Zentrum.

Bei der Weiterfahrt wurde klar, dass in Apulien nie ein Bergrennen wird stattfinden können. Keine Berge oder Hügel und auch keine Kurven. Geradeaus fahren war heute Trumpf.

Einziges Highlight…das Auffinden unserer Herberge…wir sind gefühlte hundert Mal daran vorbeigefahren. Kein Schild, rein gar nichts…BMW Navi sagte rechts…Google verlangte links…Schlussendlich musste die weltbeste Sozia mit Handy navigieren und wie bei einer Rallye die genaue Meteranzahl angeben…siehe da, wir fanden das Juwel.


Italien – Tag 70

Alberobello (0km)

Nach einer absolut stillen Nacht im Trullo, ging es zuerst auf die Suche nach einem Kaffee. Da wir absolut im Zentrum von Alberobello untergebracht waren, stellte dies keine Herausforderung dar. Nach dem der Koffeinhaushalt in Ordnung gebracht war, schlenderten wir durch das Dorf.

Gegen Mittag meldete sich der Hunger, und zum ersten Mal seit wir in Italien sind, bestellten wir ein Tagliere. Bei uns besser bekannt als Aufschnittplatte mit Käse…nur viel grösser. Salami, Rohschinken, Speck etc. wurden vom Metzger frisch aufgeschnitten und waren von bester Qualität…Eine kleine Siesta rundete den heissen Nachmittag ab.

Am späteren Nachmittag war es denn auch schon wieder Zeit für einen Apéro. Dies auf einer originellen Terrasse, welche vom Weingut das uns das Trullo vermietete, betrieben wurde. Der Ausblick auf das Dorf erstklassig, Sangria hat jedoch viiiiel Luft nach oben.

Am Abend fand ein Konzert von Max Gazzè statt. Er muss wohl recht bekannt sein, denn die Piazza war ziemlich voll. Wir haben das Ende des Konzerts nicht mehr live miterlebt…Rentner gehen früh zu Bett🤣.

Italien – Tag 69

Venosa – Alberobello (205km)

Wie jeden Tag im Agriturismo Lagala, wurde etwas Wein zum Frühstück serviert. Sieht gut aus, ist aber nur Traubensaft aus der Eigenproduktion…schmeckt so gut wie O-Saft.

Danach wurde einmal mehr gepackt und wir steuerten die Hafenstadt Taranto an. Die Fahrt erinnerte ein bisschen an die Poebene. Wo keine Hügel sind, sind auch keine Kurven und die Fahrt war eher fad. Nur Weizenfelder so weit das Auge reicht.

Taranto ist wirklich kein Besuch wert. Die Stadt ist alt und wirkt heruntergekommen. Kurzer Spaziergang durch das Zentrum und weiter in Richtung des heutigen Zieles…Alberobello die Stadt der Trullis.

Trulli ist die Bezeichnung der in Apulien vorkommenden Rundhäuser mit einem Steindach. Im 14./15. Jahrhundert wurden Siedlungen mit Steuern belegt. Also baute man Steinhäuser, welche schnell wieder abgebaut werden konnten, wenn der Steuervogt in der Gegend war. Dazu musste man nur die Grundsteine entfernen und das Haus verwandelte sich in einen Steinhaufen.

Unser Zuhause für die nächsten zwei Tage ist ein solches Trullo.


Italien – Tag 68

Castel del Monte (130km)

Irgendwie fühlt sich unsere Unterkunft an wie der Himmel auf Erden. Vielleicht tun wir uns deswegen schwer mit der Planung der Weiterreise. Wir unterbrachen unsere Recherchen und machten uns auf den Weg zum Castel del Monte.

Die Tagestemperatur hat in den letzten Tagen ziemlich zugelegt und Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten mit den Motorradkleidern werden langsam zur Herausforderung.

Das Castel del Monte ist ein Monumental-Bauwerk das 1240-1250 entstand. Es ist ein achteckiger Bau mit acht Türmen. Die einzelnen Räume sind nicht durchgehend begehbar, sondern nur durch ein raffiniertes Gangsystem.

Eine weitere Attraktion sollte eine Bauxit-Mine sein, welche bekannt ist für tiefrote Erde. Klar dass wir dieses Farbenspiel sehen wollten. Den Wegweiser haben wir tatsächlich gefunden und damit bogen wir ab auf eine 3km lange Schotterstrasse…(Soltermann-Land). Am Ende der Strasse war aber weit und breit nichts zu sehen von der roten Erde…

…also holperten wir zurück und steuerten die Eisenbahnbrücke mit den 21 Bogen an. Die war tatsächlich vorhanden, aber die Geleise sind längst demontiert. Trotzdem ein schöner Anblick inmitten all der Weizenfelder.

Apropos Weizenfelder…die Getreideernte ist in vollem Gange. Die Mähdrescher fahren ohne Unterbruch kilometerlange Bahnen und der Weizen wird auf 40T-LKW’s geladen. Das ganze ist eine Nummer grösser als in der Schweiz.

Nach der Ankuft im Agriturismo, noch schnell in den Pool gehüpft und danach ein feines Nachtessen serviert bekommen.


Italien – Tag 67

Pool und Vorbereitung der nächsten Tage (0km)

Gestärkt vom Frühstück ging es direkt an den Pool. Ein bisschen schwimmen und sprudeln tut immer gut. Danach widmeten wir uns dem Studium für die nächsten Tage.

Im Liegestuhl unter Olivenbäumen den Tag verbringen ist echt entspannend. Ab und zu ins Wasser und danach einfach nichts tun.

Am Abend fuhren wir ins Dorf nach Venosa, welches als eines der 200 schönsten Orte in Italien gilt. Wir können diese Aussage eher nicht bestätigen. Der Ort ist wohl schön und hat einige sehenswerte Gebäude, aber das war es auch schon. Für die Freunde alter Steine ist der Ort aber ein Muss, weil da die Überreste der römischen Stadt Venusia zu sehen sind.

Zu Hause angekommen, genehmigten wir uns noch einen Schlummertrunk aus der Keller des Winzers.

Italien – Tag 66

Palermo – Venosa (221km)

Nachtrag von gestern… Als wir von unserem Ausflug heimkamen, mussten wir zuerst ein Hotel für die nächsten Tage finden. Bis jetzt hatten wir noch nichts passendes im Auge. Vor dem Nachtessen musste dieser Punkt erledigt werden. In den unendlichen Weiten des Internets fand ich einen Hinweis zu einem Agriturismo mit Pool…sehr nützlich nach heissen Motorradausflügen. Leider ausgebucht bei allen Buchungsplattformen…also wurde die weltbeste Sozia beauftragt direkt per Telefon Kontakt aufnehmen und siehe da, es waren noch Zimmer frei.

Nach drei Tagen voller Betrieb und Lärm, verabschiedeten wir uns aus Napoli. Standesgemäss mit Gehupe, Stau und Verkehrschaos bei niedlichen 28 Grad.

Am Stadtende lockerte sich der Verkehr und mit etwas mehr Tempo, war auch die Temperatur zu ertragen. Avellino liessen wir links liegen und fuhren am Rande des Parco Regionale Monti Picentini zum Lago Laceno auf 1000 m.ü.M. Ein grosser Teil des Sees ist Sumpfgebiet in dem sich sehr viele Kühe aufhalten. Ausserdem gibt es grössere Hotelanlagen, welche auf Wintertourismus hinweisen.

Die Fahrt verlief grösstenteils auf einer Höhe von 600-1100m, durch Agrarland und leeren Strassen. Dies bedeutete auch, wenige Dörfer und damit wenige Einkehrmöglichkeiten. Mit der Kombination Montag (Wirtesonntag) ergab das Resultat…eine einzige Rast.

Unser Agriturismo haben wir schnell gefunden. Zur gleichen Zeit fuhr noch ein Auto aus Finnland auf den Parkplatz. Wir wurden vom Inhaber und Winzer herzlich begrüsst und zu einem Glas Wein eingeladen. Sofort entwickelte sich ein reges Gespräch zwischen uns Neuankömmlingen, das später am Pool weitergeführt wurde.

Nachtessen…ein Gedicht auf italienisch bei untergehender Sonne. Die Signora della Casa hat alle Register gezogen und uns nach Strich und Faden verwöhnt.


Italien – Tag 65

Vesuv und Pompeji (0km)

Wenn wir schon in Napoli sind, darf ein Besuch auf dem Vesuv und in der Ruinenstadt Pompeji nicht fehlen. Internet sei Dank, haben wir eine „alles inklusive Tour“ gefunden. So konnten wir den Tag mit Sommerkleidern geniessen und mussten uns um nichts kümmern.

Die Abholung in der Nähe des Hotels klappte wunderbar und für italienische Verhältnisse recht pünktlich.

Die Fahrt mit dem Reisecar war angenehm und wurde ab dem Punkt spannend, als wir die enge Bergstrasse mit den vielen Serpentinen hochfuhren. Für den Chauffeur hiess dass Milimeterarbeit, den Leitplanken und Mauern entlang. Mittendrin gab es noch eine Werbeveranstaltung…Limoncello, Limoncello mit Büffelmilch und Büffelmilch mit Rum…Hätte ich alles gekauft, wenn wir genügend Platz gehabt hätten. Weiter die Serpentinen hoch bis zum Eingang des Nationalparks.

Zum Glück sind wir nicht auf eigene Faust gefahren, der Fahrzeugparkplatz liegt 2km entfernt. Da die Tour auch die Eintritt-Tickets beinhaltete, gab es kein Anstehen vor dem Kassenhäuschen. Dann also los auf Lavakies für 1,5km und 160 Höhenmeter. Oben angekommen, ein Blick in den Krater…oha eine rechte Grube. Unvorstellbar, wieviel Gestein da in die Luft flog.

Die Retourfahrt wurde zum eigentlichen Highlight des Tages. Obwohl der Bus vor den Serpentinen mehrmals hupte, hielten die Autofahrer nicht an…jeder weiter dahinter folgende natürlich auch nicht. Einer musste zurück und das waren nicht wir…welch ein Schauspiel…rückwärts fahren und noch an den Strassenrand ausweichen…Ich verstand die Worte des Buschauffeurs nicht, aber es muss GRMPFL hoch zwei bedeutet haben.

Das offerierte Mittagessen, Pizza und Getränk, durften wir in einem schon ziemlich vollen Touristenlokal einnehmen. Zeitrahmen, sportliche 45 Minuten…Meine Bedenken, dass niemals 60 Pizzen in dieser Zeit gebacken werden, wurden wiederlegt. Wir sassen neben dem Pizzaiolo und staunten über dessen Handfertigkeit.

Letzter Punkt, die verschüttete Stadt Pompeji. Interessant, aber bei 31 Grad liess das Interesse der geführten Tour mit der Zeit deutlich nach.

Für die Rückfahrt wurden die Teilnehmer aufgeteilt. Zu viert wurden wir in einem Minivan heimgeführt…besser gesagt heimgerast. Kaum die Türen geschlossen, gab der Fahrer Gummi oder wie heisst es in der Werbung so schön…Geb ihm bös Giovanni…

Beim Schreiben dieser Zeilen, feiert noch jemand irgendwas, das mit einem Feuerwerk zelebriert wurde.


Italien – Tag 64

Napoli Centro (0km)

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Stadtbesichtigung. Die bestens bekannten Hop on-Hop off Touren eignen sich für einen schnellen Überblick.

Danach gings zu Fuss weiter, kreuz und quer durch die Stadt. Kunst, Kitsch, Tradition und Moderne treffen sich auf kürzester Distanz.

Folgende Eindrücke kamen zusammen…Für den Touristen ist Napoli eine chaotische Stadt, aber für die Neapolitaner hat es eben doch eine Ordnung. Die Stadt ist voll von Einheimischen jeglichen Alters, welche flanieren, einkaufen oder in Bars sitzen. Zusätzlich waren 4 Kreuzfahrtschiffe zu Besuch und auch diese Spezies fand Platz.

Die ganze Stadt lebt und zelebriert den Fussball.

Die Bars und Restaurants unterscheiden sich in Originalität und Freundlichkeit. Während die einen den uns bekannten Charme und Witz präsentieren, zeigen die Anderen ein deutliches Desinteresse beim Dienst am Gast.

Speziell sind die Fussgängerzonen…Autos und vor allem Roller fahren hupend und ohne zu bremsen durch die Gassen. Den Rollerfahrern muss ich jedoch attestieren, dass sie die volle Kontrolle über die Zweiräder haben. Engste und winzige Lücken zwischen den Füssgängern werden souverän ausgenützt.

Italien – Tag 63

Salerno – Napoli (116km)

Heute fuhren wir der wunderschönen Amalfiküste entlang nach Napoli. Die Küstenstrasse muss wohl ein Highlight gewesen sein, als es nur Fiat Cinquecento, Autobianchi und Ape gegeben hat. Heute, mit den SUV’s und deren nicht kurvenkundigen Fahrern, Reisecars und Lastwagen, ist die Fahrt eher eine Qual. Die Aussichtspunkte gaben heute auch nicht viel her, da die Luft recht dunstig war.

In Napoli angekommen, fanden wir das Hotel im Zentrum recht schnell. Ein Guide führte mich zur Gargae, die etwa 500m vom Hotel entfernt ist. Für den Rückweg musste ich hinten auf seine Vespa sitzen…🤢🤮. Ich bin hundert Tode gestorben, dabei war ich überzeugt, die italienische Fahrweise schon ziemlich gut zu kennen…

Nachdem Blutdruck und Herzfrequenz sich wieder im grünen Bereich bewegten, machten wir uns auf zum Wäschewaschen. Auf dem Rückweg kreuzten wir einen Coiffeurladen, was uns dazu animierte, die Haare wieder auf Normallänge zu kürzen.

Zum Nachtessen mussten wir ein paar Schritte in die Altstadt machen. Erkenntnis…egal wo du läufst, es schiessen jede Art von Fahrzeugen links und rechts an dir vorbei und hupen. Die Schweizer erschrecken, die Italiener bemerken das schon gar nicht mehr.

Übrigens wurde Napoli diese Saison zum dritten Mal Fussballmeister in Italien. Die ganze Stadt ist voller Plakate und Fahnen und es gibt noch einen zusätzlichen Heiligen…Maradona…überall findet man Portraits oder Wandgemälde von ihm.


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